Carport Bauanleitung – Aufbau – kostenloser Bauplan

Hallo Handwerkerfreunde.

Ich habe festgestellt, dass es vielen Leuten genauso geht wie mir. Sie lieben es, wenn man etwas baut! Vorzugsweise ist das bei Männern der Fall, aber es gibt ja auch Frauen die am Werkzeugkasten richtig etwas können. Vor einigen Jahren habe ich mir ein Carport gebaut. Ich will nicht prahlen, aber das Teil ist einfach nur geil. Es ist schön groß und wenn kein Auto darunter steht, kann man auch mal eine Party darin feiern. Außerdem ist es ein schöner Holzlagerplatz.

Das Ganze habe ich 2004 zusammengebaut. Man glaubt es kaum, aber das Internet war damals noch nicht so umfangreich wie heute und weil ich keine passende Bauanleitung gefunden habe, hat mir ein Zimmermannsbetrieb das Carport gesägt und ich habe es anschließen zu Hause angestrichen und aufgebaut.
In dieser Anleitung möchte ich folgende Inhalte veröffentlichen:

  • Eine Auflistung der Kosten für Schnitt und Material
  • Einen genauen Bauplan mit Bemaßungen und aus verschiedenen Ansichten
  • Eine Dokumentation der einzelnen Schritte in Form einer bebilderten Anleitung

Und jetzt ACHTUNG, das alles ist KOSTENLOS und soll es auch bleiben, das heißt:

Diese Anleitung und alle darin enthaltenen Bilder dürfen nur mit meiner ausdrücklichen Genehmigung anderweitig veröffentlicht werden. Das Material und die Arbeit kostet schon genug, deshalb muss die Anleitung nicht auch noch etwas kosten.

An alle Handwerker, viel Spaß !!

 

Das Grundgerüst:

grundgerüstJa, so sieht das Grundgerüst aus. Bis auf die Sparren ist alles aus Leimbindern gefertigt. Das hat einfach den Vorteil, das sich fast nichts mehr verzieht oder reißt.
Die Breite beträgt 6,50 Meter und die Tiefe 7 Meter, die Durchfahrtshöhe liegt bei 2,47 Meter. Das Dach hat 22 Grad Neigung.
Die 10 Stützen haben die Maße 14cm x 14cm x 234cm
Die Rähmbalken besteht ebenfalls auf 14 x 14cm  Leimbinder
Alle Kopfbänder sind aus 12 x 12cm Leimbinder gefertigt
Die Sparren haben die Bemaßung 7 x 16 x 380 cm
Die Firstfette liegt bei 14 x 24 x 700 cm
Und die drei Querbalken haben jeweils 14 x 28 x 650 cm
Die Stützen für die First sind 14 x 14 x 80 cm

Ich weiß nicht ob es möglich ist, sich die Hölzer vom Holzhändler kommen zu lassen, sie selber zurecht zu sägen und anschließend aufzubauen. Wie ihr an den Bildern sehen könnt, waren meine Hölzer verzapft, das kann man glaube ich nicht selber machen. Ich jedenfalls nicht.
Ich denke aber, das jeder Zimmermann mit diesen Plänen und Bildern etwas anfangen und euch die Hölzer anfertigen kann. Ich habe mir damals angeschaut, wie mein Zimmermannsbetrieb das gemacht macht. Die hatten eine computergesteuerte Säge. Es war wirklich fast so, dass man hinten den rohen Baum hineingesteckt hat und vorne kam das Carport raus. Ich denke mal, dass jede große Zimmerei auch so eine Säge hat.
Da ich hier ja eine Kostenaufstellung veröffentliche, wisst ihr ja ungefähr an was ihr euch orientieren müsst. Bitte bedenkt nur das die von 2004 ist, damals lag z.B. die Mehrwertsteuer noch bei 16%. Die Preise werden wohl angezogen haben.

Da man die Arbeiten, wie Aufbau usw nicht alleine bewältigen kann haben mir mein Bruder und mein Vater tatkräftig mitgeholen, deshalb spreche ich ab jetzt von WIR! Wie ihr später sehen werdet brauchten wir bei einigen Arbeiten noch ein paar Leute mehr.

 

Materialübersicht:

Das Holz wurde unangestrichen angeliefert und deshalb durften wir die erste Zeit den Pinsel schwingen.

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Dieses Bild soll euch zeigen um was für eine Menge Holz es sich hier handelt. Oben kann man sehr gut die Verzapfungen erkennen.

 

Setzen der Stützfüße:

Links seht ihr den Ort des Geschehens, bevor alles gepflastert wurde, mussten natürlich die Fundamente gesetzt werden. Alle 10 Fundamente habe ich mit den Maßen 40 x 40 x 80cm aus Beton gegossen. Die U-Pfostenträger haben wir nachträglich eingebaut. Zuerst mit der Schlauchwaage eine einheitliche Höhe festgelegt, dann Loch in das Fundament gebohrt, welches einige Millimeter größer war als die Stützfußstange und dann mit K2 Betonkleber fixiert. Hält Bombe!

Ich glaube wir haben die Füße einen Tag trocknen lassen und dann ging es mit den Stützen und der Fußfette weiter.

 

Setzen der Stützen, Rähmbalken und Kopfbänder:

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Dieses Bild veranschaulicht glaube ich ganz gut wie wir vorgegangen sind. Die Stützen haben wir natürlich mit den Füßen verschraubt, dafür wurden verzinkte Schlüsselschrauben verwendet.

Das Linke Bild zeigt alle Pfosten inklusive Kopfbänder und Rähmbalken. Die Kopfbänder wurden verzapft, allerdings nicht nach „alter Vätersitte“ mit echten Holznägeln fixiert, sondern verschraubt. Da das Auge aber mit baut, war mein Nachbar so freundlich mir ein paar Zapfen anzufertigen, die einfach nur ein Stück heraus schauen. Die eigentliche Schraube haben wir etwas tiefer versenkt. Anschließend ein paar Millimeter mit einem Forstnerbohrer, in der Größe der „Pseudo-Zapfen“  vorgebohrt, um sie dann zu verleimen. Sieht richtig echt aus 😉

 

Setzen der Querbalken, Firststützen und Firstfette:

Danach war es erst mal vorbei mit der leichten Arbeit und wir brauchten ein paar kräftige Hände mehr. Die drei Querstreben ( die genaue Bezeichnung weiß ich leider nicht mehr) mussten gesetzt werden und anschließend die Firstfette. Alle Verzapfungen passten hundertprozentig, der Zimmermann hatte ganze Arbeit geleistet, wir aber auch !

 

Setzen der Sparren und Traufenschalung:

Als die Firstfette stand waren die Sparren an der Reihe, einfach dem Bauplan entsprechend aufgestellt und vernagelt. WICHTIG: Immer schön gleichmäßig links und rechts anbringen, nicht das die First einseitig belastet wird. Als alle Sparren gesetzt waren konnte die Traufenschalung genagelt werden. Vorne und hinten etwas länger lassen und erst hinterher mit einer Handkreissäge passend abschneiden.
Mein Dach sollte mit den Pfannen bestückt werden, die auch auf unserem Wohnhaus sind. Auf der Internetseite des Herstellers kann man meistens genau nachschauen wie viele Pfannen man pro Meter braucht, um die Traufenbretter auf ein genaues Maß abzuschneiden.

 

Setzen der Dachfolie, Keilbohle, Spaltlatten und Dachlatten

Wichtig: Wer eine Dachrinne an seinem Carport haben will muss am unteren Rand der Traufenschalung eine Keilbohle setzen, die gibt es auch in der Zimmerei deines Vertrauens. Auf die Schalung haben wir eine „normale“ Dachfolie getackert und darauf vertikal die Spaltlatten (halbe Dachlatten) genagelt. Horizontal anschließend die richtigen Dachlatten montieren. Den genauen Abstand muss der Pfanne entsprechend bemessen werden. Kann man wieder im Internet erfahren. Ich habe meiner Zimmerei die Dachziegelsorte angegeben und sie haben dem entsprechend die Dachlänge berechnet. Meine Ziegel war Müller-Eisenberger E88 . Das Letzte Bild musste ich leider nachbearbeiten, weil es etwas im Dunkeln fotografiert wurde.
Um keinen Versatz in die Pfannen zu bekommen haben wir vorher alle 4-5 Pfannenreihen einen Schnurschlag von oben nach unten gemacht. So lagen die Dachziegel relativ gerade 😉

Das fertige Carport heute:

Dieses Bild zeigt das Carport wie es heute aussieht, ziemlich genau 9 Jahre nach dem Bau. Ich hatte es in Eiche gestrichen, aber es ist mächtig nachgedunkelt, so dass ich es diesen Sommer von außen in Nussbraun gestrichen habe.
Die Felder zwischen den Stützen wurden  auch „gefüllt“, das bleibt natürlich jedem selber überlassen. Das Holz dafür ist in der Preisliste nicht enthalten.
Im hinteren Bereich, wo früher der Baum stand, haben wir das Carport nochmal erweitert. Da ich den Anbau aber nicht mit Bildern dokumentiert habe, stelle ich ihn hier nicht ein.

Hier nun der Bauplan im einzelnen. Die Bilder sind in der Detailansicht etwas größer gehalten, damit man sie gut ausdrucken kann.


Die Seitenansicht:

caport seitenansicht_1

Die Giebelsicht:

carport giebelansicht_1

Von Oben:

carport oben_1

Draufsicht:

carport draufsicht_1

Stützenmaße:

carport stuetzenmasse

Angebot:

carport angebot

Ich bitte noch zu bedenken, dass man für so ein Carport natürlich eine Baugenehmigung braucht. Also vorher mal freundlich beim Bauamt anfragen.
So, ich wünsche allen viel Spaß beim Nachbauen. Über einen Kommentar würde ich mich sehr freuen. Fragen beantworte ich sehr gerne, auch per Mail.
Na dann, Holz her!!!!!

Gruß Torsten

STOPP!!  Eine kleine Sache habe ich noch. Wenn du der Meinung bist, dass diese Bauanleitung dir irgendwie weitergeholfen hat, dann kannst du mir helfen indem du auf einen der „Social Network Buttons“ klickst und deinen Freunden mitteilst, dass dir die Anleitung gefallen hat. Alle Bauanleitungen sind kostenlos und werden es auch bleiben. Für dich nur ein Klick, für mich eine große Hilfe. DANKE

17 Kommentare

  1. Haxhaj   •  

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich wollte anfragen ob sie nach meinem Angaben mir eine Bauzeichnung 1:100 für eine Carportanlage (4 Autos) erstellen können, wenn ja wieviel würde das kosten ?

    Mit freundlichen Grüßen

    A.Haxhaj

    • Schlacks   •     Author

      Hallöchen,

      leider habe ich den Carport-Plan auch von einer Firma erstellen lassen. Ich selber hab da Null Ahnung von und das Teil einfach nur zusammengeschraubt. Die Firma gibt es aber leider nicht mehr.
      Ich denke aber, dass jede größere Zimmermannsfirma das kann.
      Wenn Sie selber schon wissen, wie stark die einzelnen Balken usw sein müssen, könnten Sie es auch, mit ein wenig Übung, selber zeichnen. Google Sketchup ist kostenlos und ein wirklich gutes Zeichenprogramm. Es gibt bei Youtube sehr viele Anleitungen dazu
      https://www.sketchup.com/de

      Vielen Dank für das Interesse an meiner Webseite.

      Schöne Grüße
      Torsten Volmer

  2. fred   •  

    Toll und anschaulich erklärt. Will selber ein Carport mit Flachdach bauen, aber dein CP gibt eine gute Grundlage und Mut zum selber machen. Vielen Dank für deine Mühe

    • Schlacks   •     Author

      Kein Thema, empfehle meine Seite weiter und schick mir mal ein Bild, wenn dein Carport fertig ist.

  3. Christian Torloxten   •  

    Danke Dir,
    tolle Anleitung, mein Carport soll allerdings ein Flachdach mit anbindung ans Haus werden

  4. Michael   •  

    Hej Torsten,
    super Anleitung – bespreche mich noch mit meinem Zimmermanns-Schwager und dann wird Holz bestellt. Hier bei uns im Landkreis ist es so, dass mann selber garnicht zum Bauamt latschen kann um eine Baugenehmigung zu beantragen. Man muß einen „Vorlageberechtigten“ beauftragen.

    Beste Grüße
    Michael

  5. Alexander Nischelwitzer   •  

    Hallo,

    Wirklich ganz toll gemacht und super aufbereitet.
    Wollte nur mal Bilder zur „Verzapfung“ anschauen und lese mir das Ganze nun schon mehrfach durch. Danke! Sehr toll gemacht und super Bilder.

    LG,
    Alexander

    • Schlacks   •     Author

      Danke für das Lob, es würde mich freuen, wenn du die Seite weiterempfiehlst.

  6. Roland   •  

    Super Sache
    Es sollten viele Leute so denken wie du
    Und die Erfahrungen und die Mittel zu
    Verfügung stellen und dann noch kostenlos
    Respekt und danke schön

  7. Sascha   •  

    Toll, ich werde das zwar in der Art nicht nachbauen, weil ich rechts und links des Hauses jeweils einen Carport für ein Auto bauen darf – entsprechend lohnt das Satteldach nicht. Dennoch gibt mir Deine Erklärung Denkanstöße und das was Du hier darstellst ist letztendlich das was man bei der Suche im Netz sucht und üblicherweise nie findet 🙂

    • Papa   •     Author

      Vielen Dank für das Lob. Ich würde mich freuen, wenn du meine Bauanleitung weiterempfiehlst.

  8. Martin   •  

    Baugenehmigung ist erst ab 50qm nötig. Jedenfalls hier im LK Leipzig.

    • Ronja   •  

      50qm oder 50m³ umbauter Raum? Bei uns in NRW sind 50qm mit Sicherheit nicht erlaubt.

  9. Erwin Schwarz   •  

    Hallo Thorsten,
    eine Superbeschreibung und Plan. Leider kann ich mir die Bauanleitung, warum auch immer, nicht ausdrucken.
    gruß
    Erwin

  10. dirk   •  

    Hallo,
    sehr gute und ausführliche Anleitung.
    Ich möchte diese Anleitung zum Carportbau gern von meine HP aus verlinken.
    ist das okay für dich/euch?
    MfG Dirk Häberlein

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